Blasenkrebs: Früherkennung, präzise Diagnostik und moderne Therapie von Blasentumoren

Bösartige Tumore der Harnblase werden als Harnblasenkarzinome bezeichnet. Sie können zu Blut im Urin, häufigem Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen führen. Es ist auch möglich, dass die Tumore symptomlos bleiben und erst im späten Stadium entdeckt werden. Oft wird der Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung oder einer Blasenspiegelung gestellt. Dann ist die Abklärung in einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Blasenkrebszentrums wie dem unseren angeraten. 

Sichere Diagnose durch die TUR-Blase mit modernem Blaulicht-Verfahren (Hexvix)

Auch wenn der Großteil von Blasentumoren bösartig ist, ist für eine sichere Diagnosestellung immer eine Probenentnahme notwendig. Diese wird als vollständige Entfernung des auffälligen Befundes durch die Harnröhre (transurethrale Resektion der Harnblase: TUR-Blase) durchgeführt. Die Resektion der Tumore führen wir mit Hilfe photodynamischer Diagnostik (PDD) mit Hexvix® durch. Dies ist ein modernes Verfahren zur verbesserten Erkennung von Blasentumoren. Bei der anschließenden Blasenspiegelung unter Blaulicht leuchten verdächtige Areale rot auf und können dadurch besser erkannt und entfernt werden. 

Die Tumorentwicklung: welche Schichten der Blasenwand sind betroffen?

Ist die histologische Untersuchung des Gewebes erfolgt und es wurde ein Harnblasenkarzinom nachgewiesen, hängt die weitere Therapie von der Ausdehnung (Größe und Anzahl der Befunde) und der Eindringtiefe des Tumors ab. Vereinfacht zusammengefasst besteht die Harnblase aus drei Schichten: die innerste Schicht ist die Schleimhaut, das Urothel. Die mittlere Schicht das Bindegewebe (Submukosa), die von der äußersten, der Muskelschicht umgeben ist (Detrusor). Zur Behandlung von Tumoren der Schleimhaut und des Bindegewebes ist in den allermeisten Fällen ein Erhalt der Harnblase möglich (siehe Behandlung oberflächliche Tumore). Ist bereits die Muskelschicht betroffen, ist eine Entfernung der Blase empfohlen in Kombination mit einer Chemo- oder Immuntherapie (siehe Behandlung muskelinvasive Blasentumore). Sollte der Tumor bereits in andere Organe gestreut haben, ist eine alleinige Behandlung mit Medikamenten (Systemtherapie) notwendig (siehe metastasierte Blasentumore). 

In unserer Klinik für Urologie behandeln wir jede Art von Harnblasenkrebs mit einer langjährigen Expertise. Dabei setzen wir aktuelle nationale und internationale Behandlungsempfehlungen in täglicher klinischer Praxis um. Durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb unseres von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Blasenkrebszentrums wird ein entsprechend hohes Behandlungsniveau gewährleistet.

Patient:innen mit Harnblasenkrebs können an unserer internen Studie „Quality of Life“ teilnehmen.

Untersuchungsmethoden bei Blasentumoren im Überblick

Urinstatus, Urinkultur, Urinzytologie

Sonografie (Ultraschall)

Zystoskopie (Blasenspiegelung)

Computertomografie (CT)

Magnetresonanztomografie (MRT)

Kontrastmittelgestützte Sonografie

Photodynamische Diagnostik (PDD)

Narrow band imaging

Maßgeschneiderte Therapiewege und fürsorgliche Begleitung: Unsere Behandlungsoptionen im Überblick

  • Transurethrale Resektion der Harnblase (TUR-Blase)

  • Entfernung der Harnblase mit Prostata oder Uterus (Zystektomie)

  • Anlage von Harnleiterhautfisteln (inkontinente Harnableitung) 

  • Anlage eines Ileumconduits (inkontinente Harnableitung)

  • Bildung einer Ileumneoblase (kontinente Harnableitung) 

  • Bildung eines katheterisierbaren Pouchs (kontinente Harnableitung) 

  • Interdisziplinäres Tumorboard für individuelle Therapieentscheidung

  • Perioperative Immun-/Chemotherapie

  • Palliative Immun-/Chemotherapie bei Metastasierung

  • Psychoonkologische Unterstützung

  • Spezialisierte onkologische Pflege

Oberflächlicher Blasenkrebs: Blasenerhaltende Therapien und Nachsorge (nicht-muskelinvasives Harnblasenkarzinom)

Oberflächliche Blasentumore gehören zu den häufigsten Formen des Harnblasenkarzinoms. Etwa 70–75 % aller neu diagnostizierten Blasentumore werden zunächst als oberflächliche beziehungsweise nicht-muskelinvasive Tumore diagnostiziert. Diese betreffen nur die inneren Schichten der Blasenwand (Urothel und Submukosa) und haben die Muskulatur noch nicht erreicht. 

Im Falle eines einzelnen kleinen Tumors, dessen Wachstum sich auf die Schleimhaut (Urothel) begrenzt, ist die initiale Resektion zur Histologie-Gewinnung auch gleichbedeutend mit der Therapie. Diese Patient:innen werden durch regelmäßige Blasenspiegelungen nachgesorgt. 

Liegen Risikofaktoren vor, wie sehr große oder mehrere Befunde, erneutes Auftreten des Tumors (Rezidiv), erhöhtes Lebensalter, spezielle Pathologien (Carcinoma in situ, high grade-Tumoren) oder wächst der Tumor bereits in das Bindegewebe (Submukosa) hinein ist eine sogenannte Nachresektion empfohlen. In dieser wird das Narbengewebe von der ersten Operation beseitigt, wodurch das Risiko eines Rezidivs gesenkt werden kann. Im Anschluss daran ist in aller Regel eine sogenannte Instillationstherapie der Harnblase notwendig: in regelmäßigem Abstand wird ein Medikament direkt in die Blase über einen Katheter verabreicht, um ein Wiederauftreten des Krebses zu minimieren. Auch eine Zunahme der Aggressivität des Tumors (Progression) kann dadurch verhindert werden. 

Bei wenigen Betroffenen kommt es dazu, dass besonders aggressive Blasenkarzinome trotz Instillationstherapie häufige Rezidive ausbilden. In diesen Fällen bieten wir unseren Patient:innen eine frühzeitige Entfernung der gesamten Harnblase an (Frühzystektomie). 

Fortgeschrittener Blasenkrebs: Künstliche Harnableitung und moderne da Vinci-OP (muskelinvasives Urothelkarzinom)

Muskelinvasive Blasentumore dringen tiefer in die Blasenwand ein und betreffen die Blasenmuskulatur (Detrusor). Bevor eine Operation geplant werden kann, wird überprüft, ob der Tumor sich bereits auf andere Organsysteme ausgebreitet hat (Staging).  

Die Behandlung eines muskelinvasiven Blasentumors, der sich auf das Becken beschränkt, besteht meist aus einer Kombination von Chemo-/Immuntherapie (Systemtherapie) und Operation. Dabei wird noch vor der Operation mit der Systemtherapie begonnen und nach der Operation fortgeführt (perioperativ). Im operativen Eingriff wird die Harnblase vollständig entfernt und eine neue Harnableitung geschaffen. Zunehmend führen wir die Operation auch robotisch-assistiert mit dem da Vinci-System durch. Es gibt die Möglichkeiten einer inkontinenten (Urinausleitung über einen künstlichen Ausgang am rechten Unterbauch) oder kontinenten (Bildung eines Reservoirs aus Dünndarm) Harnableitung. Bei der inkontinenten Harnableitung können die Harnleiter entweder direkt an die Haut genäht (Ureterokutaneostomie) oder über einen Dünndarmabschnitt ausgeleitet werden (Ileumconduit). Als kontinentes Verfahren steht die Bildung einer Neoblase aus Dünndarm zur Verfügung, sodass ein Wasserlassen auch nach der Operation noch auf natürlichem Wege stattfinden kann. In selteneren Fällen kann die Bildung eines katheterisierbaren Pouches bei geeigneten Patient:innen sinnvoll sein. Aufgrund der Komplexität dieses Eingriffs ist langjährige Erfahrung und Expertise unabdingbar, mit welcher unser Reinbeker Team den betroffenen Patient:innen zur Seite steht. 

Metastasierten Blasenkrebs behandeln: Medikamentöse Therapien und Netzwerke

Bei metastasierten Blasentumoren hat sich die Erkrankung bereits in andere Organe oder Lymphknoten ausgebreitet. Ziel der Behandlung ist es, das Tumorwachstum zu kontrollieren, die Lebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität zu erhalten.

Moderne Therapien umfassen Chemotherapie, Immuntherapie sowie zielgerichtete Medikamente und Kombinationen aus den genannten Substanzgruppen. Die Therapie wird individuell an die Wünsche der Patient:innen angepasst. Hier arbeiten wir eng mit unseren Kolleg:innen der Klinik für Onkologie (LINK ONKOLOGIE) bei der stationären Behandlung und für die ambulante Versorgung mit der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) am Krankenhaus Reinbek zusammen. In einer interdisziplinären Tumorkonferenz werden die Fälle besprochen und nach Leitlinie ein Therapiekonzept erstellt, welches den Betroffenen angeboten wird.

Zu den Sprechstunden

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Unser Team

Chefarzt

Dr. med. Claus Brunken

Facharzt für Urologie und Chirurgie

Chefarzt

Dr. med. David Marghawal

Facharzt für Urologie

Oberärztin

Dr. med. Anna Katharina Knabbe

Fachärztin für Urologie

Oberärztin

Dr. med. Katharina Mewes

Fachärztin für Urologie FEBU

Oberärztin

Dr. med. Mira Baumstark

Fachärztin für Urologie

Oberarzt

Luigi Ascalone

Facharzt für Urologie

Oberarzt

Dr. med. Kaweh Thieme-Beizaei

Facharzt für Urologie

Stationsleitung

Carolin Schwarz

Stationsleitung Viszeralchirurgie / Station 3

Stationsleitung

Habib Haxha

Stationsleitung Chirurgische Privatstation / Station 12

Sekretärin

Mariola Cirsovius

Sekretariat Chirurgische Klinik

Sekretärin

Olla Kronhard

Sekretariat Chirurgische Klinik