Früherkennung und Symptome bei Hodenkrebs

Hodentumoren zählen bei jungen Männern zu den häufigsten Krebserkrankungen. Erfreulicherweise liegt die Heilungs- und Überlebensrate über alle klinischen Stadien hinweg bei über 90 %. Nur in seltenen Ausnahmefällen kann die Erkrankung nicht vollständig geheilt werden.

Ein gesetzlich etabliertes Vorsorge- oder Screeningprogramm existiert derzeit nicht. Daher kommt der regelmäßigen Selbstuntersuchung der Hoden eine besondere Bedeutung zu. Häufigstes Symptom ist eine Vergrößerung oder Verhärtung des Hodens. Seltener treten Schmerzen, eine Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie) oder Beschwerden einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung wie Rückenschmerzen, Husten, Bluthusten oder neurologische Ausfälle auf. Zu den gesicherten Risikofaktoren zählen der Hodenhochstand (Kryptorchismus), eine eingeschränkte Fruchtbarkeit (Infertilität), eine familiäre Vorbelastung sowie ein bereits auf der Gegenseite aufgetretener Hodentumor.

Tumorformen: Der Unterschied zwischen Seminom und Nicht-Seminom

Hodentumoren werden anhand ihrer Ursprungszelle unterschieden. Den größten Anteil machen sogenannte Keimzelltumoren aus. Hierzu gehören die Seminome mit einem Anteil von etwa 55 % sowie die Nicht-Seminome mit rund 45 %. Zu den Nicht-Seminomen zählen unter anderem Teratome, Embryonalzellkarzinome, Dottersacktumoren sowie trophoblastische Tumoren wie das Chorionkarzinom.

Deutlich seltener treten Tumore auf, die aus Keimstrang- oder Stromazellen hervorgehen. Hierzu zählen Leydigzell-, Sertolizell- und Granulosazelltumore sowie Thekome und Fibrome

Diagnostik

Im Mittelpunkt der Diagnostik stehen die klinische Untersuchung und die sonografische Darstellung der Hoden. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern in der eigenen Klinik für Radiologie und der Radiologischen Allianz bieten wir im Rahmen unserer ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung ASV das gesamte Spektrum moderner Diagnostik an.

Urologische Funktionsdiagnostik: Unser Leistungsspektrum im Überblick

  • Hochauflösende Sonografie (Ultraschall) mit 7,5-MHz-Schallkopf
  • Computertomografie (CT) von Thorax, Abdomen und Becken
  • Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels
  • Modernes FDG-PET-CT in enger Zusammenarbeit mit der Radiologischen Allianz
  • Bestimmung der laborchemischen Tumormarker: Alpha-Fetoprotein (AFP)
  • Bestimmung der laborchemischen Tumormarker: Beta-Humanes Choriongonadotropin (β-HCG)
  • Bestimmung der laborchemischen Tumormarker: Laktatdehydrogenase (LDH)
  • Kurzfristige Vermittlung einer Kryokonservierung (Samenzelleneinfrierung) zur Sicherung der Fertilität

Die Hodenentfernung (Ablatio testis): Ablauf der Operation

Die Therapie erfolgt individuell und orientiert sich am klinischen Stadium sowie an der jeweiligen Tumorentität. Die operative Entfernung des betroffenen Hodens (Ablatio testis) ist meist der erste Schritt in der Behandlung eines Hodentumors. Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Schnitt in der Leiste. Der Hoden wird dabei vollständig entfernt und anschließend feingeweblich untersucht. So kann die genaue Art des Tumors bestimmt und die weitere Behandlung geplant werden.

Zusätzlich erfolgt eine Untersuchung des anderen Hodens (kontralaterale Probeentnahme = PE), um seltene Vorstufen eines Tumors auszuschließen. Auf Wunsch kann während der Operation direkt ein Hodenimplantat eingesetzt werden. Dieses dient dem kosmetischen Ausgleich und hat keinen Einfluss auf die weitere Therapie.

Maßgeschneiderte Krebstherapie: Behandlung nach Stadien

Klinisches Stadium I – auf den Hoden begrenzte Erkrankung

  • Seminom: Überwachung (Surveillance), Chemotherapie mit Carboplatin oder Bestrahlung des Retroperitoneums.

  • Nicht-Seminom: Überwachung (Surveillance), primäre retroperitoneale Lymphadenektomie oder Chemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin beziehungsweise Cisplatin und Etoposid.

Klinisches Stadium II – auf das Retroperitoneum begrenzte Erkrankung

  • Seminom: Bestrahlung des Retroperitoneums oder Chemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin beziehungsweise Cisplatin und Etoposid oder Cisplatin, Etoposid und Ifosfamid. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Vermittlung in geeignete Studienprogramme. 

  • Nicht-Seminom: Chemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin beziehungsweise Cisplatin und Etoposid oder Cisplatin, Etoposid und Ifosfamid mit anschließender Resttumorresektion, auf Wunsch auch robotisch assistiert. 

  • Alternativ kann eine primäre retroperitoneale Lymphadenektomie durchgeführt werden (siehe unten).

Klinisches Stadium III – metastasierte Erkrankung

  • Seminom: Systemische Chemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin beziehungsweise Cisplatin und Etoposid oder Cisplatin, Etoposid und Ifosfamid.

  • Nicht-Seminom: Systemische Chemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin beziehungsweise Cisplatin, Etoposid und Ifosfamid mit anschließender Resttumorentfernung, bei Bedarf robotisch assistiert.

Lymphknotenentfernung (RLA) mit dem da Vinci-System

Bei der retroperitonealen Lymphadenektomie, die im Leistungsspektrum bereits genannt wurde, werden Lymphknoten im hinteren Bauchraum entfernt. Der Eingriff kann notwendig sein, wenn sich Tumorzellen in den Lymphknoten befinden oder nach einer Chemotherapie verbliebene Resttumoren entfernt werden sollen (Resttumorbergung).

Die Operation erfolgt in unserer Reinbeker Klinik robotisch assistiert über mehrere kleine Schnitte in der Bauchdecke. Dabei werden die betroffenen Lymphknoten und gegebenenfalls verbliebene Tumorreste präzise und gewebeschonend entfernt. Durch die gute Sicht und die feine Präparation können wichtige Nerven häufig erhalten werden. Dadurch besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, die antegrade Ejakulation und damit die natürliche Samenergussfunktion zu bewahren. Zudem ermöglicht das Verfahren meist eine schnellere Erholung nach der Operation.

Unser Ziel ist eine leitliniengerechte, moderne und individuell abgestimmte Behandlung unter Berücksichtigung der persönlichen Lebenssituation unserer Patienten. 

Zu den Sprechstunden

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Unser Team

Chefarzt

Dr. med. Claus Brunken

Facharzt für Urologie und Chirurgie

Chefarzt

Dr. med. David Marghawal

Facharzt für Urologie

Oberärztin

Dr. med. Anna Katharina Knabbe

Fachärztin für Urologie

Oberärztin

Dr. med. Katharina Mewes

Fachärztin für Urologie FEBU

Oberärztin

Dr. med. Mira Baumstark

Fachärztin für Urologie

Oberarzt

Luigi Ascalone

Facharzt für Urologie

Oberarzt

Dr. med. Kaweh Thieme-Beizaei

Facharzt für Urologie

Stationsleitung

Carolin Schwarz

Stationsleitung Viszeralchirurgie / Station 3

Stationsleitung

Habib Haxha

Stationsleitung Chirurgische Privatstation / Station 12

Sekretärin

Mariola Cirsovius

Sekretariat Chirurgische Klinik

Sekretärin

Olla Kronhard

Sekretariat Chirurgische Klinik