Pflegepreis des Neurologie-Kongresses an St. Adolf-Stift für Schlaganfall-Projekt verliehen
Die Pflegekräfte der Stroke Unit freuen sich über 1.500 Euro für ihr Engagement und die Chance ihre innovative Informationsplattform einem Fachpublikum in Berlin vorzustellen
Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wurde Christopher Reichert, Pflegefachkraft und Stroke Nurse aus dem Krankenhaus Reinbek, stellvertretend für das Team der Stroke Unit der zweite Pflegepreis verliehen. Im Hintergrund ist die Bühne zu sehen, auf der er zuvor das Video-Projekt einem Fachpublikum vorstellte.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zeichnet jedes Jahr innovative Projekte und besonderes Engagement in der neurologischen Pflege aus. Beim diesjährigen Kongress in Berlin wurde auch ein Projekt des Krankenhauses Reinbek St. Adolf-Stift ausgezeichnet. Maßgabe der Jury für eine Nominierung war zu zeigen wie pflegerische Expertise, persönliches Engagement, neue Ideen und interprofessionelle Zusammenarbeit die Versorgung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen verbessern können. Eine kleine Abordnung aus dem St. Adolf-Stift stellte ihr Projekt diese Woche einem neurologischen Fachpublikum vor und nahm den Preis entgegen.
Reinbeker Informations-Plattform NEUROnaLOGISCH machte den zweiten Platz
Der mit 1.500 Euro dotierte 2. Pflegepreis der DGN ging an das Team der Stroke Unit am Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift für das Projekt „NEUROnaLOGISCH – Partizipation als Behandlung!“ Initiiert wurde das Projekt von Christopher Reichert, Gesundheits- und Krankenpfleger und Stroke Nurse, gemeinsam mit Privatdozentin Dr. Anna Alegiani, Chefärztin der Klinik für Neurologie. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie Prof. Peter Berlit, sagte: „Das Reinbeker Konzept setzt dort an, wo im klinischen Alltag trotz aller medizinischen und pflegerischen Expertise häufig eine Lücke bleibt: bei verständlicher, wiederholt verfügbarer Information für Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen. „NEUROnaLOGISCH“ verbindet pflegerische und ärztliche Expertise mit digitalen Medien und einem konsequent patientenzentrierten Ansatz. Mit dem 2. Pflegepreis würdigt die DGN damit ein Projekt, das Information als Voraussetzung für Teilhabe begreift: Patientinnen und Patienten sollen nicht nur behandelt werden, sondern verstehen, mitentscheiden und sich aktiv an ihrer Versorgung beteiligen können.“
Verständlich aufbereitete Kurz-Videos können wiederholt abgerufen werden
Kern von „NEUROnaLOGISCH“ ist eine niedrigschwellige digitale Informations- und Kommunikationsplattform. Medizinische und pflegerische Inhalte rund um Schlaganfall und Stroke Unit werden verständlich aufbereitet und sollen für Betroffene und Angehörige jederzeit und wiederholt abrufbar sein. Die ersten Videos erklärten beispielsweise den Aufenthalt auf der Stroke Unit und die Funktion der Überwachungsmonitore.
„Wir produzieren kurze Erklärvideos mit einer Länge von etwa zwei bis drei Minuten. Für jede Patientin und jeden Patienten wird nach dem Aufnahmegespräch ein individuelles Informationsblatt mit einer persönlichen Video-Playlist erstellt und die QR-Codes ausgedruckt. So wird das Video über das Wundliegenzum Beispiel nur den Patient:innen angezeigt, die davon potentiell auch betroffen sind. Die Videos können anschließend über ein iPad der Station oder das eigene Smartphone mehrfach und im eigenen Tempo angesehen werden.“
– Christopher Reichert, Gesundheits- und Krankenpfleger und Stroke Nurse
Patient:innen und Angehörige können weitere Themen bestimmen
Das Projekt befindet sich noch im Aufbau: Das Informationsangebot wird fortlaufend erweitert und angepasst. Wichtig ist dem Team dabei die Partizipation. Neurologie-Chefärztin Privatdozentin Dr. Anna Alegiani sagt: „Die Inhalte sollen nicht allein von uns Fachleuten vorgegeben, sondern anhand von Beobachtungen, Befragungen und Rückmeldungen der Patientinnen, Patienten und Angehörigen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Auch die wissenschaftliche Evaluation ist von Beginn an Teil des Konzepts. Nach dem Aufenthalt auf der Stroke Unit werden quantitative und qualitative Rückmeldungen mittels Fragebogen beziehungsweise standardisiertem Interview erhoben.“
Projektvorstellung auf dem Kongress vor neurologischem Fachpublikum
Neben der Dotierung des Pflegepreises ist ein wichtiger Bestandteil, dass die Gewinner:innen ihr Projekt ausführlich dem Fachpublikum des Neurologie-Kongresses vorstellen dürfen. Stroke Nurse Christopher Reichert referierte 15 Minuten lang vor einhundert Expertinnen und Experten aus neurologischer Pflege und Ärzteschaft über das Konzept. „Es war schon sehr spannend, bei einem Fachkongress auf einer großen Bühne einen Vortrag zu halten, der auch noch online gestreamt und aufgezeichnet wurde. Wir Preisträger wurden dafür sogar extra in zwei Workshops vorbereitet unter anderem zur Bühnentechnik, so dass ich dann auch gar nicht mehr so aufgeregt war, wie ich befürchtet hatte. Ich hatte ja aber auch tolle psychologische Unterstützung aus Reinbek mitgebracht.“
Im Publikum saßen neben Chefärztin PD Alegiani auch die Stellvertretenden Leitung der Überwachungsstation Nika Clasen und die Pflegerischen Abteilungsleitung Ewa Kruszynska. Sie drückten erst kräftig die Daumen und feierten dann den Preis im Team gemeinsam.
„Christopher Reichert hat sein Projekt sehr versiert und engagiert vorgetragen und auch die wissenschaftlichen Hintergründe perfekt aufbereitet. Ich freue mich sehr, dass ich eine Klinik für Neurologie leiten darf, in der so kompetente und engagierte Mitarbeitende arbeiten. Die Teilnahme am Neurologie-Kongress hat gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur die ärztliche, sondern auch die pflegerische Sicht wahrzunehmen und wertzuschätzen – und es ist schön, dass wir als St. Adolf-Stift bei dieser Interprofessionalität ganz vorn dabei sind.“
– Privatdozentin Dr. Anna Alegiani, Chefärztin der Klinik für Neurologie
Das Preisgeld von 1.500 Euro möchte das Team der Stroke Unit übrigens in das Equipment für die Erklärvideos stecken, vermutlich in eine bessere Videokamera.
Weitere Preise des DGN-Kongresses gingen auch in den Norden
Da alle drei Preisträger des diesjährigen DGN-Kongresses im Großraum Hamburg tätig sind, wurde sich bereits vernetzt. Christoper Reichert: „Es ist doch wirklich toll, wenn man von anderen Teams Ideen bekommt, wie man die Patientenversorgung noch besser machen kann. Wir freuen uns schon jetzt auf den Austausch.“
Der mit 2.000 Euro dotierte 1. Pflegepreis ging an Julia Hinz, stellvertretende pflegerische Leitung, an Dr. Janina Schwabl, Oberärztin, und an das gesamte interprofessionelle Team des Medizinischen Zentrums für Erwachsene mit Behinderungen (SIMI) am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf. Ausgezeichnet wird ein pflegerisch geführtes Stufenkonzept, das Menschen mit geistiger Behinderung neurologische Untersuchungen möglichst ohne Sedierung oder Narkose ermöglichen soll.
Kickboxen und Parkinson – diese ungewöhnliche Kombination hat Beate Schönwald, Parkinson Nurse am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), zusammengebracht. Für ihr besonderes Engagement rund um das von ihr initiierte „Kick-Parkinson“-Training erhält sie den DGN Pflege- und Engagementpreis in der Kategorie Engagement. Schönwald arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Krankenschwester und betreut seit vielen Jahren Menschen mit Parkinson. Zugleich ist sie selbst begeisterte Kickboxerin. Weil sie erlebt, wie positiv sich der Sport auf Körpergefühl, Kraft und Selbstvertrauen auswirkt, entwickelte sie daraus ein speziell angepasstes Angebot für Menschen mit Parkinson.