Die Elisabethschwestern und Mitarbeitende nähen Stoffmasken

Diese MNS können für patientenferne Bereiche eingesetzt werden, in dem das Tragen einer Maske nicht vorgeschrieben ist. Für alle patientenahen Bereiche sind ausreichend Einmal-Masken vorhanden
Img 7183 Sr Myrta Näht Bänder 2500

Schwester Myrta vom Orden der Heiligen Elisabeth näht erste Muster für Krankenhausmitarbeiter, die bei der Aktion mitmachen wollen, Schwester Luise schneidet die Einzelteile zurecht.

Das Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift will mit einer ungewöhnlichen Aktion den allgemeinen Mangel an Schutzmasken mildern: Ordensschwestern und Krankenhausmitarbeiter nähen "Community-Masken" nach einem einheitlichen Schnittmuster, die ausgekocht und wiederverwendet werden können.

Die Idee dazu hatte Krankenhausgeschäftsführer Björn Pestinger selbst: „Weil die Bestände und Lieferungen von Woche zu Woche stark schwankten, wollten wir einfach autark werden. Ziel ist es, unsere Belegschaft besser zu schützen, denn neben Corona ist auch der Influenza-Virus noch längst nicht durch.“  Pestinger betont, dass es in der Reinbeker Klinik derzeit ausreichend Einmal-Mund-Nasenschutze und auch FFP2-Schutzmasken für die Arbeit auf der Isolations- und Intensivstation gibt. Die nun selbstgefertigten Masken sollen vor allem Mitarbeiter ohne direkten Patientenkontakt, wie das Verwaltungspersonal, Logistik-Mitarbeiter oder Handwerker besser schützen. „Für diese Kollegen gibt es laut RKI keine Maskenpflicht, gleichwohl fühlen sie sich aber oft wohler mit einem Schutz aus Stoff", sagt Björn Pestinger.

Die Klinik hat für die Maskenproduktion einen Spezialstoff bestellt, der am Mittwoch eingetroffen ist. Er wird nun von den Ordensschwestern zugeschnitten und die benötigten Einzelteile, wie Bänder und Nasenklammern mit einer Nähanleitung und einer Mustermaske in Tütchen verpackt. Mitarbeiter und der Klinik Nahestehende übernehmen dann die eigentliche Serienproduktion für die Klinik. So zum Beispiel Hannah Hinnenkamp. Die gelernte OP-Pflegerin und Trainee in der Pflegedienstleitung, war sofort dabei: „Ich bin momentan in Elternzeit und nähe gern für meine Kinder“, sagt sie: „Jetzt kann ich in dieser schwierigen Lage meine Kollegen von zu Hause unterstützen.“ Mitarbeiter bringen ihr das Material und holen die fertigen Masken wieder ab.

Die Maskenproduktion soll unbedingt im direkten Mitarbeiterumfeld verbleiben. „Das Krankenhaus ist für Besucher gesperrt“, betont Geschäftsführer Pestinger. Und: „Wir haben intern ausreichend tapfere Schneiderlein“, die am Wochenende in die Produktion gehen.

Er freut sich aber über die Unterstützung der Ordensschwestern von nebenan. Die 77-jährige Schwester Myrta hat in den 1950er Jahren als junge Frau Hemden und Schlafanzüge im Akkord genäht: „Als die Oberin von der Aktion erzählte, habe ich sofort ‘hier’ gerufen.“ Gemeinsam mit Schwester Luise (49) schneidet sie den recht steifen Stoff auf dem Schrank in der Sakristei zu, auf dem sonst immer die Gewänder für den Priester zurechtgelegt werden.  Im benachbarten Nähzimmer die sichtbar in die Jahre gekommene Nähmaschine angeworfen. Schwester Myrta: „Klappt! Der blaue Stoff ist schwer, aber man kann gut atmen.“ Per WhatsApp-Gruppe koordinieren sie sich mit den Krankenhausmitarbeitern. Die Masken sind bei 90 Grad waschbar und sterilisierbar oder können auf dem Herd ausgekocht werden.


Wichtiger Hinweis:

Wir veröffentlichen hier eine knappe Nähanleitung, damit Sie sich für den EIGENBEDARF einen Schutz nähen können. Um unsere Patienten und Mitarbeiter vor dem "Einschleppen" von Corona von außen zu schützen, möchten wir Sie herzlich Bitten, keine selbgenähten Masken vorbeizubringen. Wir haben ausreichend freiwillige Näherinnen aus dem engsten Umfeld, die einen standadisierten MNS mit unserem Material fertigen, damit diese auch viele dutzend Male wiederverwendbar sind.  


Community-Maske zum Selbernähen

Das Nähen einer Stoffmaske wird von der WHO empfohlen, wenn im Pandemiefall keine Einmal-MNS mehr zu bekommen sind. Er entspricht nicht der gleichen Güte wie Einmal-MNS für den medizinischen Bedarf, verhindert aber die Tröpfenübertragung zum Schutz von anderen und sich selbst.

  • Köpertex-Stoff (oder kochfeste Baumwolle) in 24 x 24 cm große Stücke zurechtschneiden (leichte Stoffe ggf. doppelt nehmen!
  • Mit einem halben cm oben und unten umnähen. In einem der beiden Tunnel einen 20 cm langen Aluminiumstreifen (max. 0,5 cm breit und biegsam) zum Fixieren im Nasenbereich einziehen.
  • Dann den Stoff mit 3 Falten zu einer Ziehharmonika  abstecken.
  • Mit jeweils einem 90 cm langen Schrägband  (das mittig am linken und rechten Rand angesetzt wird)
  • ummanteln und das gesamt Schrägband vernähen.

 

Stoffmaske waschen / desinfiizieren

Die Atemschutzmaske sollte mindestens einmal täglich gereinigt werden: Entweder bei 90 Grad am besten mit einem Desinfektionswaschpulver in einer Waschmaschine waschen oder auf dem Herd in einem Kochtopf in sprudelnd kochendem Wasser 10 Minuten auskochen / sterilisieren. Anschließend die Stoffmaske trocknen (Trockner geht, sonst aufhängen).

Über das Krankenhaus Reinbek

Das Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift ist ein freigemeinnütziges Krankenhaus mit expandierender Entwicklung und überregionalem Einzugsgebiet direkt an der östlichen Stadtgrenze von Hamburg. Es verfügt über 351 Betten in den Fachrichtungen Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie, Hämato-/Onkologie und Palliativmedizin sowie der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, Urologie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin, interventionelle Radiologie sowie  Gynäkologie und Geburtshilfe.

Jährlich werden über 19.000 stationäre und 25.000 ambulante Fälle behandelt und 9.000 Operationen durchgeführt. Im St. Adolf-Stift arbeiten rund 1.000 Menschen in den unterschiedlichen Bereichen. Es ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg und einer der größten Ausbildungsbetriebe in Reinbek. Das christliche Menschenbild ist Grundlage und Maßstab unseres Handelns.